Gundula Fehringer
Illustration "Willy im Raumschiff"

Stella sitzt im Vorraum am Boden„An diesem Morgen schien es, als würden die Uhren schneller ticken als sonst.

In der Galaxie der geraden Linien musste schließlich alles pünktlich sein, jede Sekunde hatte ihren festen Platz.

Doch Stella kümmerten die strengen Regeln heute wenig.

Sie saß im Vorzimmer und träumte sich an einen Ort ganz ohne Ecken und Kanten.“

Omas Rudi Rakete sieht wie eine ältere Version von Stellas Rudi Rakete aus. Links und rechts aus seinem Kopf steigen die Dampfwolken auf.Doch in Omas Kopf war Großalarm. Ihr innerer Rudi Rakete rannte im Kreis.

Er schrie: „Wir kommen zu spät! Der Bus fährt weg! Wir bekommen Ärger!”

Omas Stimme wurde laut, spitz und hart. „Himmel noch mal, Stella! Träum nicht rum! Schuhe an! Aber jetzt, Flotti Lotti!“ 

Normalerweise hätte Stellas Rudi Rakete jetzt auch „Alarm!“ geschrien. Er hätte laut nach „Knick-Knack“ gerufen, damit Stella sich flach macht wie ein Flunder.  Knick-Knack flach wie ein Flunder

Oder er hätte gesagt: „Schnell, schrei zurück! Oma ist gemein!“

👓 Das Geheim-Labor

Doch heute war etwas anders.

Oma schimpfend am Bildschirm, Willi mit seiner großen Brille, Kosma und Rudi schauen auf OmaIn Stellas innerem Cockpit herrschte gespannte Stille.

Pilotin Kosma blieb ganz cool. 

Sie tippte Willi Wirklichwahr auf die Schulter. „Willi“, flüsterte sie, „Einsatz für die Übersetzungsbrille!“ Aber pssst! Streng geheim!“ 

Willi Wirklichwahr setzte seine Spezialbrille auf.

Omas Rudi Rakete sieht wie eine ältere Version von Stellas Rudi Rakete aus. Links und rechts aus seinem Kopf steigen die Dampfwolken auf.Er schaute sich das wütende Gesicht von Stellas Oma an.

Durch die Brille sah er sofort was los war:

In Omas Kopf hüpfte ein kleines rotes Männchen (Omas Rudi) wild auf und ab und hatte Panik.

„Diagnose: Das ist kein Angriff auf Stella.

Das ist Omas Stress-Rudi. Der hat Angst vor der Uhr.“

🥊 Die Warnung vor der Rudi-Rauferei

Stellas eigener Rudi Rakete wollte sofort losbrüllen:  „Das sag ich ihr! Ich schreie zurück: „Dein Rudi spinnt! Reg dich ab!‘“

Rudi hatte schon die Hand am roten Knopf. 

Rudi hat die Hand fast am Alarm Knopf, Kosma hält ihn zurück„Halt!“, rief Pilotin Kosma streng. Dann wurde ihre Stimme ganz weich. Sie hielt Rudis Hand fest und schaute ihm tief in die Augen.

„Rudi, hör mal“, sagte sie.

„Es ist vollkommen okay, wenn du mal wütest. Wir alle haben einen roten Knopf. Erinnerst du dich daran, wie Mama Stella neulich in den Arm genommen hat, als du so getobt hast? Da hat sie dir geholfen.“

Rudi schniefte und nickte. „Ja, da war Mama mein Feuerlöscher.“ „Genau“, erklärte Stella.

„Manchmal hilft man uns. Aber heute ... heute ist das eine ganz große Mission. Eine Profi-Mission. Heute können wir Omas Feuerlöscher sein.“

Auf einer Tafel sieht man Omas Rudi und Stellas Rudi wie sie sich wütend gegenüber stehenStella zeigte auf die Tafel, auf der zwei rote Männchen zu sehen waren, die aufeinander los gingen.

„Passt auf! Omas Rudi ist gerade heiß wie ein Vulkan. 

Wenn du ihm jetzt ins Gesicht sagst: ‚Du bist doof!‘, dann kippen wir Benzin in den Vulkan.

Dann brüllen beide. Das nennt man die große Rudi-Rauferei.“ „Gewinnt man da?”, fragte Willi. „Niemals“, sagte Kosma.

„Aber wenn wir heute erkennen, dass Oma Hilfe braucht, dann sind wir echte Agenten.“

🤫 Das Agenten-Protokoll (klug handeln)

„Also“, sagte Willi. „Wir nutzen das Geheim-Agenten-Protokoll.“

Bildschirm mit dem Agenten ProtokollErkennen: Wir wissen, dass Oma Stress hat. 

Verstehen: Wir wissen, dass jeder mal einen Rudi-Anfall hat – auch Oma. Das ist okay. 

Löschen: Wir nehmen dem Vulkan das Futter weg, indem wir unseren Rudi erkennen lassen dass alles in Ordnung ist. „Ist das nicht feige, einfach nichts zu sagen?“, fragte Stellas Rudi unsicher. „Nein“, sagte Kosma stolz. „Das ist königlich. Wer schreit, hat Angst.

Wer das Geheimnis kennt und ruhig bleibt, ist der Bestimmer. Wir steuern uns sicher durch die Situation.“

💥 Die Tat

Stella verstand. Plötzlich fühlte sie sich riesengroß und weise. Sie atmete aus und wurde innerlich ganz weit.

Dann schaute sie Oma freundlich an und sagte mit ihrer ruhigsten Pilotinnenstimme nur ein einziges Wort:

 „Okay.“

Das Wort wirkte wie ein Zauberspruch.

Da Stella nicht zurück meckerte, ging Omas Vulkan einfach aus. Pffft. 

Omas Rudi-Rakete stolperte vor Überraschung, weil niemand mit ihm raufen wollte. Er setzte sich verdutzt auf seinen Hosenboden. 

Oma blinzelte. Ihre Schultern sanken nach unten. Der Stress verflog. „Huch“, sagte sie. „Das ... Das ist aber lieb von dir, Stella.“

Und dann passierte das Zweitbeste: Weil in Stellas Kopf jetzt Ruhe war – kein schreiender Rudi, kein meckernder Knick-Knack –, konnte sie plötzlich ganz klar denken.

Ihr Blick fiel auf ihre Schuhe. Ganz ruhig und konzentriert schlüpfte sie hinein. Schuhbänder gebunden. Jacke an. Rucksack auf den Rücken. Es ging kinderleicht, fast wie von selbst. 

Stella zwinkerte ihrer inneren Pilotin Kosma heimlich zu.  „Treffer versenkt“, dachte sie. „Große Mission erfüllt. Heute habe ich Oma geholfen. Und morgen hilft sie vielleicht wieder mir.“ 

Stella zieht ihre Schuhe an und Kosma gibt ihr einen Daumen hoch. Mission erfüllt steht in der GedankenblaseSo lernte Stella das wichtigste Geheimnis der Galaxie:

Wenn andere schreien, haben sie meistens nur Stress.

Wer das weiß, muss nicht zurück schreien.

Man kann lächeln, „Okay“ sagen und im Herzen ruhig und leuchtend bleiben – wie ein echter Stern.

Denn wer innerlich leuchtet, hat die Kraft, einfach das zu tun, was gerade getan werden soll.