Gundula Fehringer
Illustration von Stella und den Protagonisten in ihrem Kopf

Stella saß auf dem Wohnzimmerteppich. Vor ihr stand der Adventskalender. Er glitzerte, und die Türchen waren noch fest verschlossen.

Heute war der erste Adventssonntag. Die erste Kerze am Kranz flackerte gemütlich. Aber Stella fühlte sich gar nicht gemütlich. In ihrem Bauch kribbelte es wie verrückt.

Nur mal kurz reinschauen, dachte Stella. Vielleicht ist das erste Türchen ja doch schon offen?

🚀 Alarm im Cockpit

Was Stella nicht wusste: In diesem Moment herrschte in ihrer inneren Zentrale helle Aufregung.

Dort saßen nämlich drei winzige Gestalten, die Stellas Gefühle und Gedanken steuerten.

Rudi RaketeAllen voran Rudi Rakete.

Er trug einen feuerroten Helm und war für den Antrieb zuständig. Er rannte wild um den großen Steuersessel herum.

„Alarm!“, rief Rudi und hüpfte auf und ab.

„Ich sehe Schokolade! Oder ein Bild! Ich will wissen, was da drin ist! JETZT! Sofort! Flotti Lotti!“

Rudi wollte schon auf den großen grünen Spaß Knopf drücken, der Stella dazu gebracht hätte, das Türchen einfach aufzureißen.

🔭 Der Fakten-Check

Willi Wirklichwahr„Halt, halt, halt!“, meldete sich da eine Stimme aus der Ecke.

Das war Willi Wirklichwahr.

Er trug eine riesige Brille und schaute durch sein langes Fernrohr. Er liebte Fakten.

„Meine Berechnungen ergeben Folgendes“, sagte er und tippte auf seinen Kalender. „Heute ist Sonntag. Morgen ist erst der 1. Dezember. Wenn wir das Türchen heute aufmachen, ist es ... Nun ja ... geschummelt. Und morgen haben wir nichts.“

Rudi Rakete stampfte mit dem Fuß auf. „Das ist mir egal! Ich will jetzt Spaß haben! Morgen ist mir zu weit weg!“

👩‍✈️ Die Chefin am Steuer

Pilotin KosmaDa trat jemand an das große Steuerpult, den die beiden erst seit Kurzem kannten. Es war Pilotin Kosma. Sie trug einen blauen Umhang und eine Fliegermütze, die ihr manchmal noch ein bisschen ins Gesicht rutschte.

Kosma saß zum ersten Mal auf dem Chefsessel. Ihre Aufgabe war es, das Raumschiff „Stella“ so zu steuern, dass es Stella und ihren Liebsten wirklich gut geht – und das nicht nur für fünf Minuten, sondern langfristig.

Kosma atmete tief durch und rückte ihre Mütze zurecht. Sie lernte noch, wie man mit dem wilden Rudi umgeht, aber eines wusste sie schon ganz sicher: Der schnelle Weg ist nicht immer der beste.

Sie legte ihre Hand auf Rudis Schulter. „Rudi“, sagte sie weich. „Ich weiß, du bist aufgeregt. Du bist unser Turbo-Motor, und das ist toll.“

Rudi blieb stehen. „Ja, ich bin schnell!“, sagte er stolz. „Aber schau mal“, fuhr Kosma fort und zeigte auf den großen Bildschirm, auf dem Stellas Herz zu sehen war.

„Wenn wir jetzt aufmachen, freut sich Stella nur kurz. Danach hat sie ein schlechtes Gewissen. Wollen wir nicht lieber das größere Glück erleben?“

„Größeres Glück?“, fragte Rudi neugierig. „Ja“, nickte Kosma. „Die Vorfreude. Das Kribbeln. Wenn wir bis morgen warten, schmeckt die Überraschung doppelt so gut. Das ist ein Plan, der uns länger glücklich macht.“

Kosma, Willi und Rudi sind zufriedenBereit zum Abheben, überlegte Rudi. „Doppelt so gut klingt super. „Okay“, murmelte er. „Dann warte ich. Aber nur bis morgen!“

Pilotin Kosma lächelte. Sie setzte sich in den großen Sessel, legte die Hände ans Steuer und zwinkerte den Beiden zu. "Wir sind ein tolles Team. Gut gemacht Crew", sagte sie. 

Draußen im Wohnzimmer zog Stella die Hand vom Kalender zurück. Das wilde Kribbeln war weg. Stattdessen fühlte sie sich plötzlich ruhig und stolz. „Morgen“, flüsterte Stella und lächelte. „Morgen geht die Reise los.“

In ihrem Kopf machten sich Rudi, Willi und Kosma für das größte Abenteuer des Jahres bereit.