Draußen lag der Schnee auf den Dächern. Still und friedlich ging der Tag seinem Ende zu.
Drinnen im Wohnzimmer war Stella vor dem vollen Gabentisch eingeschlafen. Das Feuer knisterte leise im Kamin und verbreitete wohlige Wärme.
Sie hatte viel erlebt und war müde vom toben im Schnee.
Stella träumte von ihrem Nikolausstiefel, doch der sah ganz anders aus als noch vor wenigen Stunden.
Er war fast leer. Ein paar Krümel von den Nüssen und ein glitzerndes Bonbon lagen noch daneben.
Stella spürte ein kleines bisschen Traurigkeit. „Schade, der Zauber ist vorbei.“
Der "Nutzlos-Alarm" im Kopf
In ihrem Kopf-Cockpit herrschte Katerstimmung. Rudi Rakete hing zusammen gekauert in seinem Sessel. Sein Gesicht ganz blass. „Alles aufgegessen“, jammerte er. „Keine Action mehr. Der Nikolaus ist weg. Ich will mehr!
Sofort huschte Knick-Knack, der Gummimensch, herbei. Er wirkte nervös.
„Oh je! Wenn der Stiefel leer ist, heißt das bestimmt, wir waren nicht brav genug für mehr!" Jetzt sind wir wieder unwichtig“ quietschte er.
„Vielleicht hat der Nikolaus uns nur kurz liebgehabt? Jetzt müssen wir uns wieder mächtig anstrengen und uns verbiegen, bis zum Christkind! Los, los, an die Arbeit!“
Er fing hektisch an, imaginären Staub zu wischen. „Wir müssen uns den Platz hier verdienen!“
Stella spürte im Traum, wie ihr Herz schwer wurde. Sie fühlte sich plötzlich so... leer. Wie der Stiefel.
Die Entdeckung des unsichtbaren Stiefels
Da trat Pilotin Kosma ans Steuer. Ein warmes Licht flutete den Raum.
„Stopp, Ihr Lieben“, sagte sie sanft. „Schaut mal nicht auf den leeren Stiefel da draußen. Schaut mal hier hin.“ Kosma drückte einen leuchtenden Knopf am Pult.
Plötzlich erschien mitten im Cockpit, genau zwischen dem jammernden Rudi und dem hektischen Knick-Knack, ein riesiger Stiefel.
Aber er war nicht aus Leder. Er schien aus purem, pulsierendem Sternenlicht gewebt zu sein. Er leuchtete so hell, dass Rudi sofort seine Sonnenbrille aufsetzte. „Wow!“, staunte er.
„Was ist das?“, fragte Knick-Knack und vergaß zu putzen.
„Das“, erklärte Kosma, „ist euer kosmischer Stiefel. Jeder hat ihn. Und wisst ihr was das Besondere an ihm ist?“ Rudi schüttelte den Kopf. „Da passt keine Schokolade rein“, sagte Kosma. „Aber dafür Dinge, die viel schöner sind und niemals leer werden.“
Der universelle Abdruck
Stella lauschte in sich hinein. Das schwere Gefühl wich der Leichtigkeit. In ihr wurde es heller und weiter. Es spürte sich an als würde Stella mit samt ihrer Welt, hochgezogen. Das kribbelte angenehm im ganzen Körper.
Kosma fuhr fort: „Der Lederstiefel draußen wird schmutzig vom Matsch. Das ist normal, wenn man durchs Leben läuft.
Manchmal machen wir Fehler, manchmal sind wir wütend – das ist der ganz normale Matsch.
Aber dieser innere Licht-Stiefel? Der wird niemals schmutzig. Und er wird niemals leer.“
„Wofür ist er dann da, wenn keine Nüsse reinpassen?“, fragte Willi Wirklichwahr und schob seine Brille zurecht.
„Er ist dafür da“, sagte Kosma feierlich, „um deinen ganz eigenen Abdruck im Universum zu hinterlassen.
Er zeigt: Du bist da. Und dass du da bist, verändert die Welt.
Dein Lachen, deine Ideen, deine Umarmungen – das sind die Spuren, die du hinterlässt. Egal, ob Nikolaus ist oder ein ganz normaler Sonntag.“
Das Leuchten bleibt
Knick-Knack ließ seine Arme sinken. „Ich muss mich also gar nicht verbiegen, damit der Stiefel voll bleibt?“
„Nein“, lächelte Kosma. „Der Nikolaus hat euch die Schokolade geschenkt, um euch an die Süße des Lebens zu erinnern.
Doch das Leuchten... das bringt ihr selbst mit. Ihr seid wertvoll. Mit Matsch und ohne Matsch. Mit Schokolade und ohne.“

Rudi Rakete richtete sich auf. Er fühlte sich plötzlich wieder energiegeladen, aber auf eine ruhige, stolze Art.
„Ich habe einen Licht-Stiefel!“, flüsterte er. „Ich bin wichtig und wertvoll!“
Das Bild des Cockpits begann langsam zu verblassen, wie Nebel im Sonnenlicht.
Stella blinzelte und hob verschlafen den Kopf. Sie lag gar nicht in ihrem Bett, sondern war direkt vor dem Gabentisch eingeschlafen.
Sie gähnte und streckte sich. Der Nikolausstiefel vor ihr war fast leer, aber ihr Herz fühlte sich randvoll an.
Sie blickte auf den Adventskranz, wo die zweite Kerze ruhig und stetig brannte – genau wie das Licht in ihrem Traum.
„Ich bin hier, um meine eigenen Spuren zu hinterlassen“, dachte sie.
Und während draußen der Schnee leise gegen die Fensterscheibe rieselte, spürte Stella die hellen, leichten Stiefel ganz deutlich an ihren Füßen. Sie war bereit für ihren nächsten Schritt. 
Einen gemütlichen
2. Adventsonntag Euch allen!
Und viel Spaß beim Fußabdrücke setzen.
